Fotografie • Fotojournalismus

Wenn ich zurückblicke ...

Ausstellung bei Buch Kober, Mannheim

5. bis 31.8.1999

Wenn ich zurückblicke, dann gewinnt die zurückliegende Zeit Struktur durch die Erinnerung an Reisen. Im Einerlei des Alltags sind Reisen unverwechselbare Zäsuren. In Gedanken kehren Gesichter wieder, Situationen, Landschaften, Bauwerke.

Auf Reisen tauschen wir unsere eigene gewohnte Umgebung gegen die gewohnte Umgebung anderer Menschen. Dort Alltag, für uns von hier das Besondere, das Sehenswerte. Und dazwischen: Der Fotograf und die Fotografie. Wie authentisch ist das, was in Bildern festgehalten wird, wie sehr verändert sich der Alltag durch die Fotografie, wie sehr greift der Fotograf in die Wirklichkeit ein? Wie authentisch ist das Erleben dann noch?

Der Fotograf auf Reisen steckt in einem Dilemma: Einerseits schärft der Blick durch den Sucher die Aufmerksamkeit für die Umgebung, lässt ihn auch Nebensächliches, scheinbar Unwesentliches sehen. Aber es ist der »fotografische Blick«. Denn andererseits verengt der Blick durch den Sucher sein Interesse auf das lohnende Motiv. Auf der Suche nach dem treffenden Bild, nach dem richtigen Ausschnitt kann er schnell vergessen, die Situationen während einer Reise für sich zu nehmen und zu genießen. Als Fotografierender hat er selbst nicht am Leben um ihn herum teil, ist er zwangsläufig Beobachter, Außenstehender, fungiert die Kamera als Barriere. Für den Fotografen ist deshalb das Betrachten von Bildern nach einer Reise nicht nur ein Nacherleben von Eindrücken, sondern oft das erstmalige nichtfotografische Erleben von Eindrücken.