Fotografie

Curriculum Vitae Fotografie

1958 in Stuttgart geboren

Seit 1989 intensive Auseinandersetzung mit Fotografie. Schwerpunkte: Konzeptionelle Fotografie, Zivilisation, Alltag, Landschaft, People, Automobil

Seit 2000 Mitglied im Bundesverband Bildender Künstler (BBK), 2002 bis 2004 stellvertretender Vorsitzender im Bezirksverband Region Mannheim

Lebt und arbeitet in Ludwigshafen am Rhein

Artist Statement

Fotografie und Wirklichkeit

Seit Bilder mit Hilfe künstlicher Intelligenz generiert werden können, stellt sich für mich die Frage neu, worin die Eigenständigkeit künstlerischer Fotografie besteht. Ich sehe sie vor allem in ihrem unbedingten Bezug zur Wirklichkeit, konkret in der Auseinandersetzung mit realen Orten, gesellschaftlichen Verhältnissen und den Zeugnissen menschlichen Handelns. Wo fotografische Bilder ihre Wirkung allein aus einer visuellen Konstruktion, Inszenierung oder malerischen Verfremdung beziehen, können KI-generierte Bilder sie mittlerweile fast immer ersetzen. Für mich besteht die Aufgabe deshalb darin, Bilder zu schaffen, deren Bedeutung aus der Verbindung von aktiver fotografischer Gestaltung und realem Gegenstand entsteht.

Diese Ausrichtung hat sich in meiner Arbeit bereits vor dem Aufkommen generativer KI entwickelt. In der Serie Contemplationes habe ich noch eine surreal anmutende, entrückte, vielleicht auch dystopische Fantasiewelt aus menschenleeren, namenlosen Orten entworfen. Die Serie Places of Interest nimmt dagegen bereits Bezug auf konkrete touristische Hotspots. Die Besucherströme werden hier zu grotesk anmutenden, zugleich wohlkomponierten Menschenansammlungen verdichtet, bei denen sich das reale Geschehen ins Unwirkliche verschiebt.

Mit der Trilogie Stadt, Land, Staat habe ich den Realitätsbezug weiter ins Zentrum gerückt. Die Werkgruppen Futur Zwei (Stadt), Metamorphosis (ländlicher Raum) und Vida Cubana (Arbeitstitel; Staat) untersuchen unterschiedlich komplexe geografische Räume als Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse und Entwicklungen. Sie sind weder als neutrale Bestandsaufnahmen noch als Dokumentationen angelegt. Vielmehr verdichte und akzentuiere ich die vorgefundene Wirklichkeit in einem künstlerischen Transformationsprozess. Die Bilder sollen über den konkreten Ort und die sichtbare Situation hinausweisen und exemplarisch für größere Zusammenhänge stehen. So zeigt etwa das Bild »Saisonarbeiter« (2023) vordergründig Menschen bei der Spargelernte, verweist darüber hinaus aber auf die grenzüberschreitende Mobilität von Arbeitskräften innerhalb der Europäischen Union.

Die zentrale Herausforderung besteht für mich darin, das richtige Maß an Zuspitzung, Verfremdung und Bearbeitung zu finden, ohne die Glaubwürdigkeit der Bilder preiszugeben. Es geht nicht um eine objektive Wahrheit, sondern um eine wahrhaftige Aussage über die Welt, mithin um eine subjektive, künstlerisch geformte Sicht, die sich an realen Verhältnissen messen lassen muss.

Anders als die früheren Werkgruppen sind die Werkgruppen der Trilogie nicht seriell angelegt, sondern funktionieren nach dem Prinzip eines Puzzles: Je mehr Einzelteile sichtbar werden, desto deutlicher zeichnet sich das Gesamtbild ab.

In dieser Arbeitsweise sehe ich eine konzeptuelle Nähe zu fotografischen Positionen wie denen von Eugène Atget, Albert Renger-Patzsch (»Die Welt ist schön«) oder Robert Frank (»The Americans«), deren Bilder gesellschaftliche Situationen oder geografische Räume in ihrer Gesamtheit atmosphärisch erschließen.

Zivilisation als Thema

Über alle Werkgruppen hinweg steht das Thema Zivilisation im Zentrum meiner Arbeit. Mich interessiert, wie Menschen ihre Lebensräume gestalten, wie sie mit ihrer natürlichen und gebauten Umwelt umgehen, wie sie miteinander leben und wie sich Geschichte, wirtschaftliche Bedingungen und gesellschaftliche Entwicklungen in Räumen und Situationen abbilden. Die Fotografie dient mir dabei als Instrument der Untersuchung. Meine Bilder sind weniger Momentaufnahmen einzelner Ereignisse als der Versuch, Strukturen, Beziehungen und Widersprüche sichtbar zu machen.

Diese Arbeit ist in erster Linie inhaltlich motiviert. Zugleich suche ich nach einer konsistenten formalen Gestaltung und einer Bildsprache, die meine unterschiedlichen Projekte visuell verbindet. Farbe ist dabei ein wesentliches kompositorisches Element. Ich setze sie jedoch fast nie naturalistisch ein, sondern nutze sie gezielt als interpretierendes Gestaltungsmittel, um die inhaltliche Intention eines Bildes zu unterstützen oder überhaupt erst hervorzubringen.

Arbeitsweise und Rezeption

Ein neues Projekt beginnt mit einer konzeptuellen Vorstellung, die sich im Verlauf der Arbeit verändert und präzisiert. Zunächst nähere ich mich dem Thema heuristisch: Ich sammle Bilder, erkunde Zusammenhänge und erschließe mir die unterschiedlichen thematischen Aspekte. Aus dieser fotografischen Praxis heraus entwickle ich das Konzept iterativ weiter. Mit fortschreitender Arbeit verschiebt sich die Vorgehensweise ins Deduktive: Das immer reifere Konzept bestimmt, welche Bilder entstehen müssen, um die angestrebte Aussage zu formulieren.

Meine Bilder sollen auf mehreren Ebenen zugänglich sein. Sie sollen durch ihre formale und ästhetische Qualität unmittelbar wirken und zugleich bei genauerer Betrachtung weitere inhaltliche Schichten freilegen. Erläuterungen zur Bildintention und Entstehung können den Genuss und das rezeptive Verständnis vertiefen, sie dürfen aber nicht die Bedingung für die Wirkung bei den Betrachtenden sein. Ein Bild muss für mich auch ohne begleitenden Text bestehen können.

Arbeiten in Sammlungen

»Metamorphosis«, Kunstmuseum Albstadt

»Metamorphosis«, Volksbank Zollernalb, Albstadt

»Places of Interest«, Universität Mannheim, Fakultät für Sozialwissenschaften

»Contemplationes«, Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration, Mainz

»Contemplationes«, Universitätsklinikum Mannheim, Neurochirurgische Klinik

»Places of Interest«, Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis, Heidelberg

»Aquatic Performance«, Theresienkrankenhaus Mannheim,
Abteilung Innere Medizin I (Kardiologie)

»Ludus Mundi«, VolksbankHaus, Volksbank Rhein-Neckar, Mannheim

»KleinÜberGroß«, »Blue Steel«, »Sommerschnee«,
Rechtsanwaltskanzlei Michael Ramstetter, Mannheim

Fernsehberichte

Rundfunkbeiträge